Ich schaue zweimal und erkenne

Ich schaue zweimal und erkenne

Einen Augenblick, einen Wimpernschlag, einen Atemzug lang sehen wir Menschen. Menschen, die wir nie trafen, mit denen wir nie ein Wort wechselten. Und so oft erwischen wir uns dabei, wie uns Gedanken überrollen: So eine komische Jacke! Was hat der denn für eine Frisur? Warum rennt die denn so?

Erwischt? Ganz bestimmt! Und das ist in Ordnung! Warum sollte man eine Moralpredigt halten, man solle seine Vorurteile zurückhalten, oder warum sollten diese gar etwas schlechtes sein. Des öfteren urteilen wir über Fremde und das ist menschlich. Es ist ein Impuls, den wir nicht abstellen können und auch nicht sollten. Es ist ein Schutzmechanismus, der uns von der Natur gegeben wurde, um sich von manchen Menschen eher fernzuhalten. Es kommt auch vor, dass wir jemanden lustig finden und das, ohne es böse zu meinen.

Mir ist es einmal passiert, dass ein älterer Mann bei einer Veranstaltung total hektisch war und als es an der Tür klingelte, rannte er sofort hin, wie angestochen. Alle wunderten sich über diesen Menschen, frei nach dem Motto „Was ist denn mit ihm verkehrt?“ Und es war nichts, das an ihm verkehrt war, denn später erzählte er von seiner Arbeit als Arzt in einer Mutter-Kind-Klinik und dass er dort immer schnell allen Patienten helfen möchte und das seit über zwanzig Jahren. Was wären wir ohne solche Helden, die uns täglich in Windeseile zur Seite stehen?

Das Ende vom Lied: Wir sind und bleiben Menschen und dürfen uns nicht vorwerfen, Vorurteile zu haben. Sie prägen und schützen uns. Nur dürfen wir eines nicht vergessen: Genau hinzuschauen. Lasst uns denjenigen, die uns begegnen und sich zeigen wollen, die Chance geben, sich zu öffnen und uns zu begeistern: Zu begeistern, welche Träume sie haben, was sie bewegt und was sie bewegen möchten. Und wenn ihr nächstes Mal jemanden auf der Straße seht, dessen Mütze schief sitzt, dann habt doch mal gern den folgenden Gedanken: „Meine bestimmt auch!“

Es grüßt dich aus dem Innenzeiten: Ira, dein Löwenherz.