Ich darf schwach sein

ich darf schwach sein

Ich darf schwach sein

Voller Dankbarkeit für diese Gelegenheit kommt hier der zweite Gastbeitrag meinerseits zum Mantra-Mittwoch. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen. Deine Ira

 

„Kennst du das? Du versuchst akribisch alle Dinge unter einen Hut zu bekommen, bist immer überall und nirgends, hast für jeden ein offenes Ohr und steckst viel zu oft zurück. Ein Lob an dich, denn du bist ein Alltagsheld! Aber möchtest du das um jeden Preis sein?

 

Wir erwischen uns oft dabei, dass wir keine Schwäche zulassen, selbst wenn wir buchstäblich nur noch auf dem Zahnfleisch kriechen. Ist es die Angst, Menschen wehzutun oder einfach das Gefühl, jemandem gerecht werden zu müssen? Wir sind keine Maschinen und das ist auch gut so. In manchen Fällen schlägt das Ganze sogar auf die Gesundheit und wir machen uns regelrecht krank und verschleppen diese Phase über einen weiten Zeitraum. Sich Schwächen einzugestehen ist auf paradoxe Weise eine Stärke, denn diese Erkenntnis kostet Überwindung. Schwach zu sein, ist menschlich.

Vor einem halben Jahr musste ich diese Erkenntnis erlangen, indem ich körperlich zusammenbrach. Als ich Anfang des Jahres meinen lieben Papa verabschieden musste, versuchte ich mit aller Gewalt zu funktionieren und den Alltag voranschreiten zu lassen. Ich war stets für alle da, nur nicht für mich, bis ich daran jämmerlich zugrunde ging. Und als ich dann irgendwann vor dem Spiegel stand und mich ungelogen nicht mehr erkannte, sah ich eine ganz deutliche Grenze. Ich holte mir Trauerhilfe und kann gar nicht in Worte fassen, wie viel Überwindung es mich als löwenstarken Sturkopf kostete. Doch als ich mein Leid klagen durfte und das bei einem Menschen, der mich keineswegs kannte, fand ich wieder zu mir selbst. Ich fuhr danach mit dem Fahrrad nach Hause durch die kalte Winternacht und trotz eisiger Temperaturen loderte wieder mein Feuer in mir und mein Löwenherz sprühte Funken. Seitdem habe ich die Mauer abgerissen, die ich damals vor mir baute. Ich darf schwach sein. Ich darf Gefühle zulassen, egal welche es sind. Ich darf Gefälligkeiten ablehnen, wenn ich merke, dass ich an meinen Grenzen gerate. Ich darf Mensch sein.

Darum achte auf dich, habe einen gesunden Egoismus und lerne dich wieder von neuem kennen. Lass Gefühle los und weine, wenn du traurig bist, lache, wenn du glücklich bist. Teile dich mit oder schreibe es auf. Aber verliere niemals dein Spiegelbild. Ich wünsche dir von Herzen, dass du dich immer mit dem inneren Auge sehen kannst und dein Feuer immer brennen wird.“